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Wichtige Fakten zur Cannabislegalisierung, die man als Wähler kennen sollte

Von Dr. med. Gabriella Hunziker, Mühlrüti Schweizerische Ärztezeitung

Im Rahmen der bevorstehenden Wahlen werden Politikerinnen und Politiker oft gefragt, ob Cannabis legalisiert werden sollte. Diese Frage wird von vielen leichtfertig mit Ja beantwortet, ohne über die Folgen informiert zu sein! Im Rahmen der Vortragsreihe der Ostschweizer Kinderärzte referierte kürzlich der Spezialist für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters Prof. Dr. med. Rainer Thomasius aus Hamburg zum Thema Cannabis. Er zeigte unter anderem auch neueste Zahlen über die negativen Auswirkungen der Cannabislegalisierung in verschiedenen US-Bundesstaaten auf.

In Colorado, wo seit 2012 Cannabis für Erwachsene legal erhältlich ist, konsumieren die 12- bis 17-Jährigen annähernd doppelt so viel Cannabis wie im Durchschnitt der US-Bundesstaaten. 74% der Jugendlichen, die sich in einer Suchttherapie befinden, geben an, im Mittel mehr als 50-mal Cannabisprodukte von Erwachsenen mit einer Lizenz für medizinischen Cannabisgebrauch bezogen zu haben. Die Schulverweise aufgrund von Drogenkonsum sind seit der Legalisierung ebenfalls deutlich angestiegen. Auch hat sich die Anzahl cannabisbezogener Notfallbehandlungen in Colorado von 2011 bis 2014 mehr als verdoppelt. Ferner sind die cannabisbezogenen Vergiftungen bei den 4-jährigen Kindern angestiegen. Bei den Verkehrstoten in Colorado konnte im Jahr 2006 ein Zusammenhang mit Cannabis in 6,9% der Fälle hergestellt werden. Im Jahr 2015 wurde dies in 21% der Fälle dokumentiert. Die Zahl getesteter Verkehrsteilnehmer mit einem positiven Cannabisbefund stieg von 7,9% im Jahr 2006 auf 25% im Jahr 2015 an.

Unter den Suiziden in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen ergaben sich toxi­kologische Cannabisnachweise in 16% der Fälle; Suizide unter Cannabiseinfluss übersteigen damit erstmalig den Anteil der Suizide unter Alkoholeinfluss.

Es ist schade, dass die Politiker an Veranstaltungen abwesend waren. Denn mit fundierter Faktenkenntnis könnte man die Canna­bislegalisierung nicht mehr so leichtfertig bejahen.

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